Das Leben in Recknitzberg
Eine Kurzgeschichte von Eckart Kreitlow aus dem Alltag in der damaligen DDR
Wer erinnert sich noch an das Leben in der damaligen DDR? Die Kinder der Wende sind inzwischen fast 22 Jahre und die der Einheit fast 21!
Andererseits hört und liest man zudem heutzutage leider zumeist nur sehr wenig Gutes über das Leben in der damaligen DDR. Vieles wird entstellt oder nicht selten bewusst falsch dargestellt, so dass man sich vor allem deshalb um so mehr nach der Wahrheit sehnt.
Für Sie alle, für alle Nostalgiker unter Ihnen, die gerne an das "Damals in der DDR" denken, schreiben wir diese Kurzgeschichte "Das Leben in Recknitzberg", die wir nach und nach mit hoffentlich für Sie immer weiteren interessanten Episoden ergänzen werden.
Bis wann? Ja, bis dann eines Tages aus der Kurzgeschichte eine lesenswerte längere Geschichte geworden ist und Sie sich die, wenn Sie möchten, kaufen können. Wir werden dazu rechtzeitig einen Eigenverlag gründen und das Buch drucken lassen. Damit möchten wir an die zurückliegende Zeit und die Vita vieler Mitbürger in Deutschlands Neufünfland erinnern.
Im Mittelpunkt stehen der LPG-Vorsitzende Jürgen Fleißig, die Kaderleiterin Ursula Penkowski, der Brigadier Werner Stieglitz, der ABV Walter Schulz und die Buchhalterin Isolde Weißwasser. Sie ist verliebt in den Küstenfischer Andreas Pellworm. Doch liebt er auch sie? Sie werden es bald erfahren!
Weitere Mitwirkende sind der Pfarrer Wolfgang Holzbrink, Parteisekretär Gernhold Walter, der Direktor vom Fleischkombinat Theo Kaltbrenner, der Dorfschullehrer Konrad Bockolt, die Witwe Tina Balkowski und die Pionierleiterin Sabine Mächting.
Der Mann von Tina Balkowski starb bei einem Verkehrsunfall in der damaligen Sowjetunion auf der Fahrt zu einer Baustelle an der Erdöltrasse "Freundschaft".
Sie alle, vom LPG-Vorsitzenden Jürgen Fleißig bis zur Witwe Tina Balkowski, wohnen in Recknitzberg, einem sehr idyllisch gelegenen Ort an der Recknitz. Mischwälder, Wiesen und Weiden mit saftigen Gräsern, Ackerflächen und der sich durch diese wunderbare Naturidylle hindurch schlängelnde Fluss Recknitz prägen die zum Bezirk Rostock gehörende mecklenburgisch-vorpommersche Landschaft.
Das Leben im Dorf war sehr schön. Die Volkssolidarität organisierte regelmäßig Rentnernachmittage. Mindestens zweimal im Jahr wurde ein Busausflug unternommen, in den Harz, in die Sächsische Schweiz, nach Heringsdorf, nach Berlin zum Fernsehturm. Kaffee trank man im "Palast der Republik", bummelte anschliessend auf dem Alexanderplatz ... Sogar eine eigene Tanzkapelle, die "Recknitzberger Amigos", gab es damals in diesem sehr beschaulichen Ort im Norden der DDR.
Die ABC-Schützen gingen bis zur 4.Klasse in die Grundschule des Ortes. Sie waren während dieser Zeit unter den Fittichen von Dorfschullehrer Konrad Bockolt, der die Erstklässler immer mit "Meine Häschen" begrüßte. Bockholt betrieb in seiner Freizeit eine Imkerei. Er hatte auch einen großen Obstgarten. Im Heimatkundeunterricht ging es bei schönem Wetter oft hinaus in die Natur.
Die im gotischen Stil erbaute Dorfkirche war sonntäglicher Treffpunkt der Christen, die sich dort allwöchentlich zu ihrem Gottesdienst einfanden. Zumeist predigte Pastor Holzbrink, den alle liebe- und achtungsvoll "Unser Dorfpfarrer" nannten. Er engagierte sich nämlich nicht nur in seiner Kirchgemeinde, sondern auch sehr in der Bürgerinitiative der Nationalen Front "Schöner unsere Städte und Gemeinden! Mach mit!"
Im Dorfkonsum, ein kleiner "Tante Emma-Laden" gleich neben dem Kindergarten, hatte Tina Balkowski das Sagen. Mit ihr musste man sich immer gutstellen, wenn man die so genannte "Bückware", Apfelsinen, Bananen, Rosentaler Kardarka, bekommen wollte. Grundnahrungsmittel und Waren des täglichen Bedarfs waren zwar immer reichlich da, doch manche Devisenartikel konnten nur gelegentlich gekauft werden. Auch in der DDR galt das Motto "Beziehungen schaden nur dem, der keine hat!"
Für reichlich Gesprächsstoff sorgte immer Frauenschwarm Friedemann Kluge, der mit Isolde Weißwasser zusammenlebte. Er arbeitete als Hauptinspektor bei der Staatlichen Versicherung der DDR, sah top aus und war stets sehr akurat gekleidet.
Leider gingen 3 seiner Ehen in die Brüche. Für 9 Kinder an 4 verschiedene Frauen musste er Unterhalt zahlen. Bei Sabine Mächting versuchte er auch anzubändeln, doch die liess ihn jedes Mal abblitzen.
Schon Wochen vorher freuten sich die Recknitzberger und die Bewohner aus den umliegenden Dörfern auf den "Tanz unterm Maibaum" am 1.Mai und den "Danz up de Deel" am Samstag vor Pfingsten. Auch das traditionelle Erntefest Ende Oktober war ein exzellentes Volksfest zum Wohlfühlen gleichermaßen für Jung und Alt. Dies waren jedes Mal kulturelle Höhepunkte, wo kaum jemand fehlte.
Selbst Andreas Pellworm, der wenig wegging, schwofte kräftig mit. Besonders warf er Isolde Weißwasser Honigmondblicke zu. Zwischen den beiden scheint es tatsächlich gefunkt zu haben. Na wir warten es ab! Jedes Jahr wurde weit bis nach Mitternacht gefeiert und das Tanzbein geschwungen. Die "Recknitzberger Amigos" brachten die Stimmung immer wieder fast zum Siedepunkt.
Während der Erntezeit wurden von den Landfrauen jedes Jahr wunderschöne Erntekronen gebunden und später, wenn das Getreide vom Halm war, eine Erntekronenschau veranstaltet. Für die drei schönsten Kronen gab es einen Preis. Mit einer Urkunde wurden alle Teilnehmer ausgezeichnet. Die Frau vom LPG-Vorsitzenden Fleißig machte fast immer mit und errang sogar zweimal den 1.Preis für das schönste Gebinde aus Getreide, Blumen und bunten Schleifen.
Statt zuviel Arbeitskräfte fehlten in Recknitzberg meistens welche, vor allem in der Landwirtschaft. Besonders während der Heu-, Kartoffel-, Rüben- und Getreideernte reichte die Zahl der Erntehelfer selten, so dass noch Studenten in den Semester- und Schüler in den Sommer- und Herbstferien mithalfen und dies sehr gerne taten. Denn es war für sie eine willkommene Abwechslung vom Studien- bzw. Schulalltag. Und die schönste Nebensache der Welt kam auch nicht zu kurz: So manche Studentin oder so mancher Student fand bei den Partys nach getaner Arbeit ihren Prinzen bzw. seine Prinzessin.
Im September 1990 zog noch Waldemar Donikat nach Recknitzberg. Donikat wohnte zuvor in Brandenburg. Von 1979 bis zu seiner Entlassung diente er zuletzt im Range eines Oberstleutnants als Geschwaderkommandeur bei den Luftstreitkräften / Luftverteidigung der NVA und war bis zu seiner wendebedingten Versetzung in den Ruhestand stationiert auf dem Militärflugplatz Brandenburg-Briest. Donikat gehörte zu den ersten Piloten, die eine MiG 29 fliegen durften. Dieses Flugzeug war derzeit das modernste überhaupt, hatte sehr viel Elektronik an Bord und besaß eine hohe Manövrierfähigkeit.
Der Offiziersberuf und das Fliegen waren Donikats Ein und Alles. Kurz vor Weihnachten 1990 nahm sich Waldemar Donikat das Leben. Offenbar hat er sein plötzliches Karriereende nicht verkraftet ...
Sie möchten mehr über das Leben damals in Recknitzberg erfahren?
Wer weiß,vielleicht hat Ihnen die Kurzgeschichte ja gefallen, uns würde es freuen, und Sie möchten gerne weitere Episoden lesen? Dann schreiben Sie uns doch einfach! Schicken Sie einfach eine E-Mail an eckartkreitlow@t-online.de ! Auch anonym, falls Sie es so lieber möchten! Und schon wenig später werden Sie auf dieser Seite mehr erfahren!
Vielleicht möchten Sie zum Beispiel noch mehr über den LPG-Vorsitzenden Jürgen Fleißig oder über Pastor Wolfgang Holzbrink wissen? Oder über Frauenschwarm Friedemann Kluge? Über Andreas Pellworm und seine Angebetete Isolde Weißwasser, die ein Kind von Friedemann Kluge erwartet? Sie ist bereits im 7. Monat schwanger! Alles kein Problem! Einfach ein paar Zeilen per elektronischer Brieftaube an eckartkreitlow@t-online.de und schon geht die Geschichte weiter. Versprochen!
Am Ende entsteht vielleicht in gedruckter Form ein umfangreicher Roman bzw. eine Erzählung über das Alltagsleben in der ehemaligen DDR, wie es damals für die Zeit typisch war? Das Buch, wenn es entstünde, selbstverständlich schön eingebunden, könnten Sie dann sogar Ihren Kindern oder Freunden schenken oder eben selbst behalten. Gleichzeitig könnten Sie es aber auch als so genanntes Blook, so bezeichnet man neuerdings Bücher im Internet, die aus Weblogs entwickelt wurden, weiterhin online lesen.
Übrigens damit Ihre Freude noch etwas gesteigert werden würde, könnten wir es mit ein paar farbenprächtigen Fotos noch etwas ansprechender gestalten, zum Beispiel mit Naturlandschaftsbildern aus Recknitzberg und Umgebung bzw. mit Fotos von Helene Bockolts schönem Blumen- und Kräutergarten, eine Augenweide! Helene Bockolt ist die Ehefrau des Dorfschullehrers Konrad Bockolt.
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